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Studie: Flüchtlinge zahlen mehr ins Sozialsystem ein, als sie kosten

Eine Gruppe junger Menschen und eine Lehrerin beim UnterrichtEin anerkannter Flüchtling sorgt für ein Plus von jährlich 3.050 Euro in den österreichischen Staatskassen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Forschungsgesellschaft Joanneum Research.

Geht es ums Thema Asyl und Flucht, denken viele Österreicherinnen und Österreicher meist eines: Flüchtlinge kosten den Staat viel Geld. Dabei gab es bisher kaum aussagekräftige Studien dazu. Die Forschungsgesellschaft Joanneum Research hat sich im Auftrag des Roten Kreuzes und der Caritas nun angesehen, wie sich die Anerkennung von Flüchtlingen über einen längeren Zeitraum volkswirtschaftlich auswirkt.

Die Studie zeichnet anhand der Arbeitsmarktdatenbank die Erwerbskarrieren der rund 65.000 anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten zwischen 2000 und 2015 nach. Die Daten zeigen, wann jemand das erste Mal in Österreich einen Job angenommen hat, wie lange er ihn behalten hat, wann er arbeitslos war und wann er Mindestsicherung bezogen hat.

Positive Transferbilanz

Der Fokus liegt dabei auf jenen 13.500 Personen, die schon seit mindestens zehn Jahren in Österreich leben. In dieser Gruppe beläuft sich das Nettosteueraufkommen – die sogenannte Transferbilanz – auf jährlich durchschnittlich 3.050 Euro pro Person. Die positive Transferbilanz bedeutet, dass mehr Steuern ins Sozialsystem eingezahlt werden, als Sozialleistungen beansprucht werden.

Den Berechnungen liegt die Annahme zugrunde, dass Flüchtlinge nicht mehr verdienen als die untersten zehn Prozent der Durchschnittsgesellschaft. Sozialleistungen wie Mindestsicherung oder Familienbeihilfe sind enthalten, nicht aber Kosten für zusätzliche Schulklassen oder Deutschkurse, die in der Flüchtlingshilfe anfallen können.

Nachholbedarf bei Erwerbsbeteiligung

Aber auch Defizite zeigt die Studie auf: Zwar erreichen männliche Flüchtlinge im siebenten Jahr nahezu den Grad der österreichischen Erwerbsbeteiligung von 52 Prozent. Danach sinkt die Quote aber wieder. Zudem könne die positive Transferbilanz kippen, wenn diese Gruppe ins Pensionsalter kommt. Nachholbedarf wird auch bei der Erwerbsbeteiligung weiblicher Flüchtlinge gesehen. Sie liegt laut Untersuchung nach zehn Jahren im Land bei 34 Prozent. In Gesamtösterreich liegt sie bei 44 Prozent.

Dazu komme der Wandel am Arbeitsmarkt. Künftig entstehen nämlich weniger Jobs in jenen Bereichen, wo viele der meistens niedrigqualifizierten Asylberechtigten arbeiten. Ein Problem sehen Forscherinnen und Forscher daher in fehlender Qualifikation und fordern Maßnahmen.

Investitionen in Bildung und Integration nötig

Anlässlich der Präsentation der Studie forderten Rotes-Kreuz-Präsident Gerald Schöpfer und Caritas-Präsident Michael Landau mehr Investitionen in Bildung sowie in die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Sie sprachen sich dafür aus, bereits bei Asylwerbenden anzusetzen, forderten eine Ausweitung der Bereiche für gemeinnützige Tätigkeit, eine schrittweise Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber sowie mehr Bildungsangebote für nicht mehr schulpflichtige minderjährige Flüchtlinge.

Weiterführende Informationen

Neue Studie: Asylberechtigte leisten mehr, als sie den Staat kosten – Rotes Kreuz